Didaktische Konzeption

Vom Spaziergang zur Gruppenreise

Wenn die Lehre nur die Beschäftigung mit Fachinhalten wäre, käme sie vielleicht einem Spaziergang gleich, der vor der eigenen Haustür startet. Sie gehen hinaus und brauchen keine große Vorbereitung. Schließlich kennen Sie sich aus und können einfach loslegen.

Aber die Lehre ist viel komplexer, weil viele andere Faktoren neben dem reinen Fachwissen zu berücksichtigen sind. Wer lehrt, der weiß, dass es bei weitem kein Spaziergang ist.

Die Lehre ist vielleicht eher mit einer größeren Reise vergleichbar, die man für eine ganze Gruppe organisiert. Passend zur Zielgruppe muss man auswählen, welche Sehenswürdigkeiten man besuchen möchte. Es gilt ein ansprechendes Programm zusammenstellen, Zeiten und andere organisatorische Dinge zu klären und sich während der Reise auch um das Wohl der Teilnehmer zu kümmern. Schließlich soll das Ganze für keinen der Beteiligten in einer Odyssee enden.

Wenn man bei diesem Bild bleibt, braucht es also eine solide Vorbereitung, damit man eine erfolgreiche Reise in das eigene Fachgebiet, z. B. in die Welt der Biomedizin, Elektrotechnik oder Informatik anbieten kann – und dann hinterher auch zufriedene Reiseteilnehmer erwarten darf. (Keine Frage, die Teilnehmer müssen natürlich auch aktiv an der Reise teilnehmen. Sonst wird es ein schwieriges Unterfangen)

 

Deshalb: Didaktisches Design

Genau darum geht es beim „didaktischen Design“, also bei der Konzeption von Lernangeboten bzw. Lehrveranstaltungen. Man berücksichtigt verschiedene Aspekte und Rahmenbedingungen, um ein passendes Lernangebot für die eigene „Reisegruppe“ zu erstellen.

Die Sehenswürdigkeiten sind dann z. B. ausgewählte, für die Lernenden relevante Fachinhalte. Oder das Reiseprogramm entspricht einer didaktisch sinnvollen Abfolge der Inhalte – eingeteilt in unterschiedliche Phasen, bei denen Inhalte vermittelt, geübt und gesichert werden.

Die wesentlichen Aspekte und Rahmenbedingungen lassen sich mit einem Blick auf didaktische Modelle wie das „Rahmenmodell der gestaltungsorientierten Mediendidaktik“ von Michael Kerres (2018) bestimmen. Hier werden v. a. die Zielgruppe, die Lernziele bzw. die gewünschten Ergebnisse, die Methoden und Medien sowie die Frage der Lernorganisation aufgezählt (229). Hat man diese Analyse- und Handlungsfelder im Blick, lassen sich geeignete didaktische Entscheidungen treffen. Dabei gilt es dann natürlich auch, grundlegende Lehr- und Lernprinzipien zu berücksichtigen.

Einige der wichtigsten Prinzipien für die Lehre an Hochschulen finden Sie im Beitrag „Evidence based Teaching – empirische Bildungsforschung aufgegriffen in hochschuldidaktischer Absicht“ im Neuen Handbuch Hochschullehre. Die hier aufgeführten didaktischen Leitlinien sind in die drei Grunddimensionen ‚Strukturierung und Regelklarheit’, ‚Studierendenorientierung und unterstützendes Sozialklima‘ und ‚Kognitive Aktivierung‘ unterteilt. Der Beitrag ist übrigens auch für die konkrete Planung einer Lehrveranstaltung sehr nützlich, da die Prinzipien auch in Checklisten-Form überblicksartig zusammengefasst sind.


Praxis-Tipp | Den pragmatischen Ansatz des Constructive Alignment nutzen

Bei dieser Methode widmen Sie sich zunächst den Lernzielen (und damit den Lerninhalten), dann richten Sie die Prüfungsinhalte auf diese Ziele aus und konzipieren erst im Anschluss ihre eigentliche Lehrveranstaltung. Das sorgt für Transparenz bei den Lernenden hinsichtlich der Prüfung und bietet Ihnen eine klare Richtschnur zur didaktisch sinnvollen Gestaltung Ihrer Lehre.


Praxis-Tipp | Kompass Digitale Lehre

Nutzen Sie den Kompass Digitale Lehre bei der Planung Ihrer Lehrveranstaltung. Welche didaktische Richtung wollen Sie einschlagen? Der Kompass umfasst verschiedene Vorschläge, die für die Hochschullehre besonders geeignet sind und zu den dort üblichen Lehrformaten sehr gut passen.